Nauwieser Viertel Fest 1985 im  Nauwieser Viertel Saarbrücken Saarland

Das Altstadtfest als Vorläufer

Bevor sich im Nauwieser Viertel eigene Straßen- und Stadtteilfeste entwickelten, entstand 1975 mit dem Saarbrücker Altstadtfest eine neue Form bürgerschaftlich organisierter Stadtkultur. Das erste Altstadtfest wurde rund um den St. Johanner Markt unter dem Motto „Basar, Bier und Brecht für die Bürger“ gefeiert und zog bereits bei seiner Premiere zahlreiche Besucher an.

Ausgangspunkt war die Idee, Kultur aus den etablierten Einrichtungen heraus in den öffentlichen Raum zu bringen. Unter dem Leitgedanken „Kultur soll etwas zum Mitmachen für alle sein“ sollte ein Fest entstehen, an dem sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger aktiv beteiligen konnten. Dafür gründete sich die Bürgerinitiative Altstadtfest, die gemeinsam mit der Stadtverwaltung die Planungen übernahm.

Nach der Bereitstellung erster städtischer Mittel lud die Bürgerinitiative für den 14. März 1975 zu ihrer ersten gemeinsamen Sitzung mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Stadtratsfraktionen und interessierten Bürgern ein. Anwesend waren unter anderem Beigeordneter Adolf Barth (Bürgermeister Dudweiler bis 1974) und Walter Pitz für die Stadtverwaltung sowie die Stadträte Stefan Weszkalnys (CDU) von der CDU und Wilfried Dittmar (SPD), Dieter Schwan (SPD) und Ludwig Triem (Landtagsabgeordneter SPD). Aus den rund zwanzig anwesenden Bürgerinnen und Bürgern bildete sich anschließend eine Arbeitskommission, der unter anderem Hildegard Redicker, Jörn Wallacher , Richard Eberle, Günter Kranz, Bernhard Stilz (Musikschule Saarbrücken), Gerd Munzinger (SPD) , Erwin Jentner, Monica Hamma (die Künstlerin gestaltete das Plakat für das erste Altstadtfest) , Totila Schott und Manfred Emlaut angehörten. Bereits in dieser ersten Sitzung wurden Ideen für Kunst, Theater, Musik, Flohmarkt, Kinderprogramm und eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Altstadt entwickelt.

Das Altstadtfest war weit mehr als ein Straßenfest. Es verfolgte zugleich stadtpolitische Ziele. Eine Podiumsdiskussion widmete sich der Altstadtsanierung, und während des Festes entstand eine spontane Unterschriftensammlung für eine Fußgängerzone am St. Johanner Markt. Diese entwickelte sich später zu einem wichtigen Impuls für die Umgestaltung des Platzes.

Auch Kunst spielte von Anfang an eine bedeutende Rolle. Geplant waren Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten für bildende Künstler, Sonderausstellungen, Malaktionen für Kinder, Dichterlesungen sowie Theater- und Musikaufführungen. Zum Programm gehörte außerdem der erste Kunstmarkt im Innenhof des Saarlandmuseums, dem heutigen Standort der Stadtgalerie Saarbrücken.

Die Menschen hinter dem Bürgerforum

Im Herbst 1975 entschloss sich die Bürgerinitiative, ihre Arbeit auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen. Mit der Satzung vom 11. November 1975 entstand das Saarbrücker Bürgerforum e. V., das am 22. Dezember 1975 in das Vereinsregister eingetragen wurde.

Erste Vorsitzende des neuen Vereins war Hildegard Redicker. Ihr Stellvertreter war Helmut Müller, Schatzmeister Walter Pitz und Schriftführer Dieter Rosenbaum. Dem ersten Vorstand gehörten außerdem Erwin Jentner, Dietmar Kolling, Werner Redicker, Totila Schott und Jörn Wallacher als Beisitzer an.

In den Vereinsunterlagen erscheint Ulrike Donié erstmals mit einem Registereintrag aus dem Jahr 1988 als Vorsitzende. Dieser Eintrag beruhte auf Mitgliederversammlungen vom 8. April 1986 und vom 10. November 1987. Im Jahr 1990 übernahm Jörn Wallacher den Vorsitz, während Ulrike Donié zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Nach der Mitgliederversammlung vom 20. Februar 1995 kehrte sie als Vorsitzende zurück und prägte das Saarbrücker Bürgerforum anschließend über viele Jahrzehnte.

Auch Petra Otto engagierte sich über viele Jahre im Vorstand des Bürgerforums. Sie war unter anderem Schriftführerin und später stellvertretende Vorsitzende. Nach zwischenzeitlichen Veränderungen im Vorstand gehört sie heute erneut zu den führenden Personen des Vereins.

Der Erfolg des Altstadtfestes zeigte, dass gemeinschaftlich organisierte Stadtfeste in Saarbrücken auf großes Interesse stießen. Das Bürgerforum setzte sich auch nach dem Fest weiterhin für eine bürgernahe Stadtentwicklung, die Einrichtung der ersten Saarbrücker Fußgängerzone und eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung an kommunalen Planungsprozessen ein.

Während 1975 noch Bürgerbeteiligung, Kleinkunst und die Entwicklung der Altstadt im Mittelpunkt standen, wird das Altstadtfest heute vor allem als großes Musik- und Familienfest mit kulinarischem Angebot beworben. Oberbürgermeister Uwe Conradt hebt insbesondere „gutes Essen, viel Musik unter freiem Himmel und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm“ hervor.

Vor dem Hintergrund des Erfolgs der frühen Altstadtfeste überrascht es kaum, dass sich einige Jahre später auch im Nauwieser Viertel eigene Straßen- und Stadtteilfeste entwickelten. Anders als das Altstadtfest rückten sie anfangs jedoch stärker das Viertel selbst, seine Bewohner, Gaststätten, kleinen Betriebe, Künstler und Initiativen in den Mittelpunkt. Der ursprüngliche Fokus auf das Viertel, seine Bewohner, Bürgerinitiativen, Kleinkunst und kulturelle Mitmachangebote trat im Laufe der Zeit zunehmend in den Hintergrund.

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Karte

Begrenzungen Nauwieser Viertel

Süden: Stephanstraße/Großherzog-Friedrich-Straße
Westen: Dudweiler Straße
Norden: Bahnstrecke zwischen Dudweiler Straße und Martin-Luther-Straße
Osten: Egon-Reinert-Straße